Zeitungsberichte   2017

15.09.2017 Osterholz-Scharmbeck Von: Eva Kairies
4. Teufelsmoor Klassik Rallye schickte rund 80 Oldtimer-Autos los

Nicht nur für Schönwetter gemacht

Die Helfer bei der vierten Rallye namens Teufelsmoor Klassik reichen den Teilnehmern Klemmbrett und Infomaterial ins Wageninnere.

Tropfen rinnen von den Stoffdächern der alten Cabrios, polierter Lack und makelloses Chrom der Auto-Veteranen glänzen im fahlen Spätsommerlicht. Einer nach dem anderen biegt von der Volksbank-Kreuzung auf den Parkplatz, von wo für jeden Teilnehmer die Rallye beginnt. Dünne kleine Scheibenwischerarme wischen teils wie unter Arthrose leidend den Regen von den Windschutzscheiben, die schon viel gesehen haben dürften. „Blutet Ihnen denn nicht das Herz, Ihren Oldtimer bei so einem Wetter über die norddeutschen Straßen zu schicken?" wird ein Mann in einem roten kleinen Sportwagen gefragt. „Das ist ein Brite, der ist für schlechtes Wetter gebaut", sagt er und hebt einen Mundwinkel an.

Zum Nachmittag lichtet sich die riesige Regenwolke und scheint auf die Klassik-Autos, die sich nach der regnerischen Ausfahrt durch den Landkreis mit allerhand Rallye-Aufgaben auf dem Parkplatz zwischen Campus und Allwetterbad wieder eingefunden haben. In kleinen Gruppen stehen die Automobilbesitzer der besonderen Art beieinander. Dass sie trotz miesem Wetter mitgefahren sind, stand für sie außer Frage: „Es gibt da ein Grundgesetz unter Oldtimerfahrern: Wenn man sich für eine Rallye angemeldet hat, muss man da auch hinfahren", sagt Horst Schumacher aus Bremen, der zig Rallyes jedes Jahr mitfährt. Er besitzt den ältesten Wagen unter den Rallyeteilnehmern, den Ford A Sport Coupé aus dem Jahre 1931 (noch zu sehen in unserer E-Paper-Ausgabe auf www.marktplatz-osterholz.de vom 3. September, Seite 3). Bei der richtigen Grundpflege der Lieblinge wie das Abdichten der Hohlräume mit Wachs sei das kein Problem mit dem Schietwetter. „Ich habe ein ganz anderes Problem", sagt Schumacher. „Der Unterboden ist komplett aus Holz!" Er wusste von der Anekdote, dass Henry Ford sich die Lampen für seine Karossen immer in einer bestimmten Holzkiste hat liefern lassen: „Da passten die Holzwände der Kisten perfekt in den Boden."

Für die Veranstalter der Teufelsmoor Klassik hatte Schumacher nur Lob: „Das haben die wirklich super gemacht." Die Organisatoren wurden letztendlich davon überrascht, dass ein Bahnübergang gesperrt worden war. Die ganze Nacht habe man daran gesessen, die Tour für alle Rallyefahrer umzuarbeiten.

Das Gehirn sitzt rechtsAuch der Hamburger Volker Springmann hatte Spaß an der Rallye, obwohl er zugibt, lieber bei Sonnenschein zu fahren. „Egal ist das Wetter nicht. Wir sind Cabrio-Fans, und die bleiben bei Regen leider geschlossen", sagt Springmann. Er ist der Besitzer des zweitältesten Teufelsmoor-Klassik-Wagens, einem Opel Kapitän Cabrio von 1939. „Von denen gibt es nur noch 20 auf den Straßen – weltweit", sagt der freundliche Mann mit einem Blick auf den Kapitän, den er vor 27 Jahren in einem erbärmlichen Zustand bei einem Händler gefunden hatte. „Der wollte ihn eigentlich für sich fertigmachen, aber ihm fehlte einfach die Zeit." Und Zeit brauchte auch Springmann für diese Augenweide: „Ich habe ihn 25 Jahre lang restauriert." Tatsächlich fährt der alte Kapitän erst seit zwei Jahren wieder angemeldet. „Ein echter Zeitzeuge", sagt Springmann. Schließlich weise sein alter Wagen tatsächlich drei Einschusslöcher aus dem zweiten Weltkrieg auf.

Leidenschaft funkelt in Springmanns Augen, wenn er dezent von seinen vier angemeldeten Oldtimern erzählt, zu denen auch der Opel Rekord gleich neben dem Opel Kapitän gehört, der von seinem Sohn Oliver und seiner Frau auf der Rallye gefahren wurde. Volker Springmann selbst ließ sich von den Copiloten, seinen Enkeln Sebastian und Steven helfen, die in den Oldtimern quasi groß geworden sind und die alten Recken sehr zu schätzen wissen.

Auch in diesem Augenblick, als sie sich vor dem nächsten Spätsommerschauer in den schön trockenen Kapitän flüchten und auch Nicht-Oldtimerbesitzer in ihre neuzeitlichen, aber auch trockenen Autos. Gerade deswegen hatten sie hier eben nicht die Zuschauermengen, die sie verdienten, und auch gern gesehen hätten.

4. ADAC-Teufelsmoor-Klassik

„Das Gehirn sitzt rechts“
11.09.2017

Das Gehirn sitzt rechts
Liliana und Volker Springmann aus Hamburg starteten mit einem Opel Kapitän Cabrio, Baujahr 1939. (von Ilse Okken)

Osterholz-Scharmbeck. Ob Buckel-Volvo, Käfer, Porsche, Jeep, Schneewittchensarg, Kadett, Prinz, Corvette,
Thunderbirdoder ein über 70 Jahre alter Opel Kapitän – fast 90 Oldtimerfans ließen sich von den ergiebigen
Regenfällen amSonnabend nicht abhalten und nahmen mit ihren betagten Autos an der vierten
ADAC-Teufelsmoor-Klassik-Rallye teil.

Motor der Veranstaltung ist Johann Meierdirks, der seit über 30 Jahren Rallyes in der Region organisiert hatte,
bevor er vor vier Jahren erstmals die Teufelsmoor-Rallye vorbereitete.
Der Routinier hatte die 140 Kilometer lange Strecke akribisch ausgearbeitet, unzählige Male vorher abgefahren
und ein fast  40-seitiges Bordbuch erstellt. Am Abend vor dem Start die Schocknachricht für Meierdirks:
Drei Bahnübergänge im geplanten Streckenverlauf sind gesperrt. Er legte eine Nachtschicht ein und stellte die Tour um.
Danach musste Meierdirks die umgearbeiteten Karten für die 90 Bordbücher ausdrucken.

Das Gehirn sitzt rechts
Ulf Beinert aus Ritterhude mit seinem russischen Militär-Geländewagen GAZ 69, Baujahr 1967. (Ilse Okken)

Pünktlich um 9 Uhr ging der erste Oldtimer an den Start. Im Minutenabstand folgten die anderen. Die Rallye führte über Bornreihe, Wallhöfen, Steden und Hellingst nach Oldendorf, wo eine Mittagspause eingelegt wurde.
In der zweiten Etappe ging es über Axstedt, Ohlenstedt und Hambergen nach Pennigbüttel und gegen 16 Uhr zurück
nach Osterholz-Scharmbeck. Bei diversen Kontrollen wurde dokumentiert, dass die Teilnehmer auch die korrekte Streckenführung beachten.
Fast 30 Teilnehmer starteten in der Einsteigerkategorie, in der nur nach Bordbuch gefahren werden musste.
Der Großteil ging in der touristischen Klasse an den Start, um unterwegs leichte Orientierungsaufgaben zu lösen.

Gut 20 Oldtimerbesitzer entschieden sich für die schwierigste Kategorie, in der anspruchvolle tourensportliche Aufgaben zu erfüllen waren. „Es geht darum, die richtige Strecke zu finden. Das Gehirn des Teams sitzt immer rechts“, sagte Meierdirks.
Wer das richtig beherrsche, könne diese Aufgaben in China genauso gut lösen, wie im Teufelsmoor.
„Die Aufgaben hier sind eine Herausforderung.
Da muss man oft auch um die Ecke denken“, fand Dirk Rose, Volvo-Fahrer aus Oldenburg. Frank Triebel stimmte ihm zu.
Er war mit einem Reliant GTC Scimitar, Baujahr 1980, dabei. „So lange er macht, was ich sage, ist alles gut“, sagte Copilot Marco Abert und zwinkerte seinem Fahrer Stefan Abert zu.
Die beiden Hamburger waren mit einem Porsche 944 Targa angereist.

Das Gehirn sitzt rechts
Um den marineblauen Lack des Triumph Spitfire MK4 1500, Baujahr 1978, nicht zu beschaedigen, versuchten Torsten Ehlers und Axel Steinbeck, die Startnummer am Dach anzubringen.

Heiner Münnich aus Vechta steuerte einen Porsche 914, Baujahr 1973, und hat sich damit einem Kindheitstraum erfüllt.
„Der Beifahrer ist ganz wichtig“, sagte der Fahrer, der die Rallye 2016 in der Kategorie „touristisch“ mit seinem Copiloten Heinrich Klöker gewonnen hatte.

Ein Gepflegter Daimler-BenzDer 40 Jahre alte Daimler-Benz 280 SE, mit dem Jens Schlüter und Thorsten Beckmann
am Start waren, machte einen gepflegten Eindruck. „Das war der Chauffeurswagen einer Hamburger Kaufmannsfamilie“, erklärte Schlüter. Er ist Kfz-Meister und hat sich den Oldtimer mit 65 Jahren gegönnt.

Volker Springmann aus Hamburg und sein Sohn Svend waren mit einem Opel Kapitän, Baujahr 1939, und einem Opel Olympia, Baujahr 1954, dabei. „Die Aufgaben sind schwierig“, sagte der Oldtimerfan, der zum 21. Mal an einer Rallye teilnahm.

Ein Schrauber ist Thorsten Ehlers aus Bremen. Er hatte seinen marineblauen Triumph Spitfire MK 4, Baujahr 1978,
bis auf die kleinste Schraube auseinandergenommen und restauriert. „Schon mit 18 Jahren habe ich von diesem Auto
geträumt“, erklärte er. „Um Gottes Willen, keinen Engländer“, meinten die Eltern, und sein erster Wagen wurde ein
Kadett C Coupe.
Jetzt hat er zuhause noch einen roten und einen gelben Spitfire. „Offiziell gegenüber meiner Frau als Ersatzteillager“, schmunzelte er  „So ein Auto ist eine ewige Baustelle. Da muss man viel selber können“, berichtete Bernd Behringer
und prüfte noch einmal den Ölstand, bevor er mit seinen Triumph TR 6 startete.

Catharina und Amir Abbassian aus Buxtehude waren zum ersten Mal dabei.
Mit ihrem Steyr-Puch Pinzgauer 710K-Geländewagen wollten die beiden Ingenieure das Teufelsmoor kennenlernen und sich nach interessanten Pisten umsehen. „Die alte Lady fährt sich gut“, sagte der Engländer Michael Wright, der mit dem flaschengrünen Jaguar Mark 2, Baujahr 1966, ebenfalls erstmals dabei war.
„Ich habe zwei Beifahrer. Denn sechs Augen sehen mehr als zwei“, befand er
.