Zeitungsberichte   2015

Schätze aus Blech kurven durch den Landkreis

Es geht absolut nicht um die Geschwindigkeit, versichern die Organisatoren der Teufelsmoor-Klassik, die am Sonnabend,
12. September, stattfindet. Schließlich seien die „Youngtimer“ mindestens 20 Jahre alt, und die „Oldtimer“ müssen 30 Jahre auf dem Buckel haben, betonen die Vertreter vom Ritterhuder Automobil-Club (RAC) und des ATC Worpswede. Bei der Teufelsmoor-Klassik gehe es für die 125 gemeldeten Teilnehmer darum, die Zeiten möglichst auf die Sekunde einzuhalten und das bei Stempel- und Zeitkontrollen so vermerken zu lassen.

Im vergangenen Jahr hatte der Osterholzer Landrat Bernd Lütjen den Startschuss zur Teufelsmoor-Klassik gegeben.
Schirmherr der diesjährigen Veranstaltung ist der Osterholz-Scharmbecker
Bürgermeister, Torsten Rohde.

Fahrtleiter Johann Meierdirks spricht von mehr als 9000 Kontrollen, die ausgewertet werden müssten.
An teilnehmende Fahrer und Beifahrer werden mehr als 100 Pokale vergeben.
Schirmherr der Veranstaltung ist Osterholz-Scharmbecks
Bürgermeister, Torsten Rohde.

Johann Meierdirks vom RAC und seine Mitstreiter haben sich fast ein Jahr mächtig ins Zeug gelegt, um den Fahrern und Beifahrern der 125 Fahrzeuge – darunter zehn „Youngtimer“ – aus dem norddeutschen Raum eine anspruchsvolle Rallye durch das Kreisgebiet anzubieten. Man habe „einen Riesenaufwand“ betrieben, um die Teilnehmer nach Alter der Fahrzeuge in fünf verschiedene Klassen zu unterteilen, erläuterte Meierdirks. Einigen Fahrzeughaltern habe man auch Absagen erteilen müssen.

Ältestes Fahrzeug ist von 1948

Los geht das Spektakel der Fahrzeuge – das älteste stammt aus dem Jahr 1948 und ist ein Jaguar MK 4 – am
12. September um 9 Uhr nach der Ausgabe der Bordbücher auf dem Marktplatz in Osterholz-Scharmbeck.
Danach starten die Fahrzeuge nacheinander in Abständen von je einer Minute Ab.
Zuvor heißt es „Marschverpflegung empfangen“ ab 9.05 Uhr auf dem Parkplatz von Marktkauf am Pumpelberg.
Dann geht es in zwei Etappen durch das gesamte Kreisgebiet. Unterwegs werden Stempel- und Zeitkontrollen dafür sorgen, dass die vorgegebenen Zeiten möglichst genau eingehalten werden.

Das Auffinden der Orientierungsetappen mit Sollzeitprüfung und das Abfahren der vorgegebenen Strecke sind dabei
wichtige Kriterien. Dazu zählen auch das Wahrnehmen der sogenannten Chinesenzeichen, das sind Abbildungen der Straßensituationen. Bevor gegen 16 Uhr die Rückkehr der Fahrzeuge auf dem Parkplatz am Allwetterband erwartet wird,
findet gegen 15.15 Uhr auf dem Parkplatz des Küchenstudios bei Meyerhoff in Buschhausen eine Zuschauerprüfung statt. Besucher können die Platzierungen der Fahrzeuge und die gefahrenen Zeiten auf einer großen Digitalanzeige sehen.

Insgesamt ist die Strecke etwa 150 Kilometer lang und führt von Osterholz-Scharmbeck über Buschhausen (ab 9.07 Uhr), Brundorf Gewerbegebiet (9.23 Uhr), Brundorf Genossenschaft (9.33 Uhr), Eggestedt (9.43 Uhr), Hinnebeck (10.10 Uhr), Meyenburg (10.30 Uhr), Heine (11.07 Uhr), Wulsbüttel (11.10 Uhr) Lehnstedt (11.25 Uhr) nach Uthlede (12.00 Uhr).
Nach einer einstündigen Mittagspause geht es dann weiter von Uthlede Würger (13.01) nach Harmonie (13.16 Uhr),
Hagen im Bremischen (13.22), Kassebrucher Heide (13.26), Driftsethe (13.31), Kassebruch (13.54), Hagen-Börsten (14.18), Bramstedt (14.20), Finna (14.54), Harrendorf (14.56), Ohlenstedt (15.14), Bargten (15.36)
Buschhausen Meyerhoff (15.41) zum Gymnasium in Osterholz-Scharmbeck.



Disziplin statt Vollgas

125 Old- und Youngtimer starten bei Teufelsmoor-Klassik-Rallye / Zeitfahren verlangt Konzentration der Fahrer

VON KIM WENGOBORSKI

Osterholz-Scharmbeck.
Dumpf und tief dröhnt der Klang der Motoren über den Parkplatz vor dem Küchencenter in Buschhausen. „Toller Sound“, schwärmt eine Zuschauerin. Die 125 Old- und Youngtimer, die nacheinander einfahren, haben eine Strecke von etwa 120 Kilometern von Osterholz-Scharmbeck in Richtung Weser bei Schwanewede hinter sich. Am frühen Vormittag ließ Bürgermeister Torsten Rohde die Wagen im Minutentakt vom Scharmbecker Marktplatz aus erneut starten.

Jetzt gilt es auf den letzten Metern der zweiten Auflage der Teufelsmoor Klassik auf die Sekunde genau eine kurze, vorgeschriebene Strecke zu bewältigen. „Die Wagen sind eigentlich nicht dafür gemacht. Sie wollen einfach nur bewegt und gepflegt werden“, hallt die Stimme von Sprecher Martin Kummerow über den Platz. Doch es geht auch nicht darum, Vollgas zu geben, sondern darum, das richtige Gefühl für das Auto und die Entfernung zu haben. Die Ansage galt auch für die Rallye selbst. Die Zeitspanne zum nächsten Kontrollpunkt sollte möglichst genau eingehalten werden. Schnell zu fahren, brachte niemanden weiter.

Auf die Beine gestellt wurde die Rallye von Johann Meierdirks vom Ritterhuder Automobilclub (RAC) und vom ATC Worpswede. Schon seit den 1970er-Jahren laden die Motorsport-Vereine unter anderem zu Rallyes auf dem Truppenübungsplatz in Garlstedt ein. „Damals richtig auf Zeit“, erinnert sich Rüdiger Knübel, stellvertretender Fahrtenleiter der Teufelsmoor Klassik. Mit dem Abzug der Amerikaner im Jahr 1992 fand die letzte Rallye dieser Art statt. Der Platz stand nicht mehr zur Verfügung. Doch die Nachfrage nach Rallyes sei ungebrochen, sagen die Verantwortlichen.

Rund 170 Oldtimer-Besitzer hatten sich um die Plätze bei der Teufelsmoor Klassik beworben. „Es ist eine günstige Art, Motorsport zu betreiben“, erklärt sich Knübel die Faszination für Oldtimer. Brigitte und Fritz-Gerhard Fricke aus Schwanewede haben andere Gründe: „Man kann vieles selber machen, ohne umständliche Elektronik“, sagt Brigitte Fricke, die bei „Macken“ selbst unter die Motorhaube schaut, ehe sie die Helfer des ADAC anruft. Das Ehepaar hat einen 350SL Mercedes, Baujahr 1971, und einen Volvo 244, Baujahr 1978, in der Garage stehen. Das Wort „Schätze“ lassen die Frickes in jedem zweiten Satz über die Oldtimer fallen. Sie sind schon viele Rallyes gefahren. „Die Veranstalter planen die Touren sehr gut. Man lernt Ecken kennen, in denen man noch nie war“, sagt Fritz-Gerhard Fricke. Das Ehepaar ist bei der Teufelsmoor Klassik nicht aktiv dabei. Es habe terminlich nicht gepasst, sagen sie.

Dafür standen Brigitte und Fritz-Gerhard Fricke begeistert am Straßenrand, als die Wagen gegen Mittag durch Schwanewede fuhren. In Uthlede kehrten die Fahrer zu einer Mittagspause ein. Ein „Schneewittchensarg“ viel dem Ehepaar besonders ins Auge. Ein Volvo P1800 ES, der eine auffällige, gläserne Heckklappe hat.

Später nimmt das Ehepaar die Gelegenheit wahr, sich die Autos genauer anzusehen. Der siebenjährige Paul aus Langen ist von dem Prachtstück der Rallye fasziniert. Besonders reizt ihn ein Jaguar MK 4 DHC, Baujahr 1948. „Den will ich haben“, weiß Paul jetzt schon. Besitzerin Ingeborg Studders mahnt: „Schau dir erstmal alle an, da sind noch viele tolle Wagen.“ Thomas Studders öffnet bereitwillig Kofferraum und Motorhaube des Wagens, der in seinem Leben bereits von einem Prominenten gefahren wurde. Von welchem, wird nicht verraten. „Wow, echt toll“, staunt Paul.


Aus ganz Deutschland sind die Oldtimer-Fans angereist, doch es sind auch Lokalmatadoren wie Reinhold und Regina Eggert dabei. Ihr breiter, mintgrüner Daimler Benz 300 SE aus dem Jahr 1963 fällt in der Menge auf. Bei der Kurzstrecken-Herausforderung am Ende der Rallye fahren sie knapp an den angepeilten 15 Sekunden vorbei. Doch wer nicht gewinnt, wird durch die staunenden Augen der Zuschauer entschädigt.